Verfahrensbeistand

Interessensvertretung im familiengerichtlichen Verfahren

Als Verfahrensbeistand vertrete ich die Interessen von Kindern und Jugendlichen vor Gericht. Das kann zum Beispiel während einer Trennung der Eltern notwendig sein, wenn das Wohl des Kindes in der Auseinandersetzung zwischen den Eltern aus dem Blickfeld gerät.

Ich versuche dann herauszufinden, welche Bedürfnisse und Interessen das Kind in seiner persönlichen Situation hat. Da es seinen Willen meist nicht direkt und eindeutig äußert, nutze ich für die Einschätzung der kindlichen Situation und des Kindeswillens neben dem persönlichen Gespräche verschiedene weitere Wege.

Den Kindeswillen vor Gericht zur Geltung zu bringen, um die Eltern für die Perspektive ihres Kindes zu sensibilisieren, ist das Ziel meiner Arbeit.

Die Bestellung des Verfahrensbeistandes erfolgt durch das Familiengericht.
An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen, dass ich als Verfahrensbeistand nicht zum gesetzlichen Vertreter des Kindes werde. Die rechtliche Position der Sorgeberechtigten bleibt unverändert

 

Aufgaben:

Der Verfahrensbeistand soll vor der Anhörung...

  • das Kind über das Verfahren und die Funktion des Verfahrensbeistands als parteilicher Vertreter des Kindes informieren.
  • die Situation aus der Sicht des Kindes erkunden.
  • die Wünsche und Vorstellungen des Kindes zur Lösung des Konflikts aufnehmen.
  • das Kind über seine Einflussmöglichkeiten und mögliche Verfahrensergebnisse informieren.

Der Verfahrensbeistand soll in der Anhörung...

  • dem Gericht über die Gespräche mit dem Kind Bericht erstatten
  • die Interessen des Kindes aktiv vertreten
  • an einer einvernehmlichen Lösung mitwirken und ggf. einen Antrag stellen

Der Verfahrensbeistand soll nach der Anhörung...

  • das Kind über das Ergebnis informieren
  • mit dem Kind die möglichen Folgen besprechen
  • gegebenenfalls Rechtsmittel einlegen.

 

Ermittlung des Kindeswillens

Nach der der gerichtlichen Bestellung findet in Absprache mit der Familie ein erstes Gespräch mit dem Kind in seinem Lebensumfeld statt. Dabei werde ich zunächst versuchen, einen guten Kontakt herzustellen. Auch meine Rolle und Aufgabe als Verfahrenspfleger erläutere ich dem Kind. Erst danach beginne ich zum Beispiel im Gespräch das Leben und die Interessen des Kindes zu erkunden.

Um die kindliche Situation und des Kindeswillens besser einschätzen zu können, nutze ich verschiedene Wege. Das persönliche Gespräch ist nur einer davon. Weiter ist es möglich, anhand spielerischer Mittel, wie Karten, Figuren oder auch per Beobachtung zu wichtigen Erkenntnissen zu gelangen.

Je nach Art der gerichtlichen Bestellung werde ich auch Gespräche mit Eltern und weiteren Bezugspersonen führen. Sie dienen im nächsten Schritt dazu, die kindliche Situation noch besser zu verstehen. Nur in Verbindung mit seinem Umfeld und dessen Erfahrungen, Erwartungen und Befürchtungen kann meiner Einschätzung nach eine gute Entscheidung für die strittige Fragestellung gefunden werden.

 

Eine einvernehmliche Lösung finden 

Kinder und Jugendliche leiden in vielfältiger Weise durch Konflikte im Elternhaus. Ein wichtiger Faktor für eine positive Veränderung ist es, dass sich Eltern in Hinblick auf die Erziehung des Kindes weitestgehend einig sind. Daher ist es fachlich und rechtlich geboten einvernehmliche, kindeswohldienliche Lösungen zu finden.

Ausgehend von dem Interesse des Kindes ist es möglich, dass ich den Personensorgeberechtigten und dem Kind Wege aufzeige, die hilfreich sein könnten, um Konflikte zu bearbeiten, Lösungen zu finden oder dem Kind Entlastung bieten.

 

Stellungnahme des Verfahrensbeistandes

In einer Stellungnahme für das Familiengericht gebe ich in der Regel auch eine Empfehlung ab, wie eine kindgerechte Lösung aussehen könnte.

Empfehlungen, die ich dem zuständigen Gericht gebe, sind immer fachlich sorgfältig überlegt und aus den verschiedenen Informationszugängen, die mir möglich waren, herausgearbeitet. Der Wille des Kindes steht im Vordergrund.

In meiner Begründung werde ich auch angeben, warum ich eventuell nicht vollständig dem geäußerten Willen des Kindes folgen kann. Dies könnte der Fall sein, wenn sich meiner fachlichen Meinung nach die objektiven Interessen des Kindes, also das Kindeswohl, vom geäußerten Willen stark abweicht.

 

Beim Familiengericht

Sollte das Kind zu einer Kindes-Anhörung zu Gericht geladen werden, ist es auch meine Aufgabe, das Kind vorzubereiten und den Rahmen der Anhörung abzuklären. Hier gibt es in der Regel einige Möglichkeiten, um die Belastung für das Kind zu reduzieren. In jedem Fall werde ich das Kind bei der Anhörung begleiten.

Sollte es für die Familiensache einen Gerichtstermin (Anhörung) geben, werde ich ebenfalls geladen, um meinen Bericht zu erläutern und an einer Klärung mitzuarbeiten.


Das gerichtliche Ergebnis und dessen Folgen werde ich mit dem Kind besprechen.
Sollte der gerichtliche Beschluss im starken Widerspruch zum kindlichen Interessen stehen, bin ich als Verfahrensbeteiligter berechtigt, Rechtsmittel einzulegen.

In jedem Fall ist meine Tätigkeit als Verfahrensbeistand nach dem Ablauf der Widerspruchsfrist beendet. Daher werde ich auch von meinem Verfahrensbeistands-Kind Abschied nehmen.

 

Weiterführende Informationen

Standard der BVEB für Verfahrensbeistände, denen ich mich verpflichtet habe:
http://www.verfahrensbeistand-bag.de/infos-fuer-verfahrensbeistaende/standards.htm

Weiterführende Links